Samstag, 24. Juni 2017

„Wir brechen ein TABU“ – Vortrag über weibliche Genitalverstümmelung

clock_thumb„Mama was wird jetzt passieren?“  fragt die kleine Ayodele aus Kenia. Sie ahnt noch nicht, dass sie später schlimme Schmerzen haben wird. Als Antwort kam nur, „du wirst jetzt eine Frau und dein Körper rein.“ Am Montag, den 11.04.2011, stellte uns Ulla Barreto das Projekt der Organisation TABU e.V.  in der Kaufmannsschule I in Hagen vor. Doch was ist TABU e.V.?

 

TABU e.V. ist eine Organisation, die sich öffentlich gegen die ritualisierte Gewalt der weiblichen Genitalverstümmelung einsetzt.

Neben dem Engagement in Deutschland liegt der Arbeitsschwerpunkt in der Unterstützung eines Basisprojektes in Kenia (Ost-Afrika). Der gemeinnützige Verein TABU e.V., mit Sitz in Dortmund, wurde im Jahr 2001 gegründet. Ulla Barreto ist Vereinsvorsitzende, Referentin und ehrenamtliche Koordinatorin von TABU e.V.  Mindestens einmal im Jahr fährt sie nach Afrika, um zu sehen, was mit den Spendengeldern vor Ort erreicht werden konnte. Dort ist bereits eine Schule und ein Kindergarten errichtet worden, wo die Kinder vor der Beschneidung geschützt werden. Vor allem investieren die Mitarbeiter der Organisation viel Arbeit in die Aufklärung der Erwachsenen.

Was heißt eigentlich Genitalverstümmelung? Der Vortrag von Frau Barreto ließ uns den  Atem stocken. Bei der weiblichen Genitalverstümmelung gibt es verschiedene Eingriffe an den äußeren weiblichen Genitalien. Ein Beispiel für die Beschneidung ist das Entfernen der Klitoris sowie die inneren Labien und Schichten der äußeren Schamlippen. Anschließend wird die Vagina mit den restlichen Hautfetzen zusammen genäht. Eine kleine Öffnung ist alles was bleibt. Aus dieser Öffnung müssen lebenslang Urin und Menstruationsblut austreten. Danach werden für mehrere Wochen die Beine zusammengebunden und es wird regelmäßig kontrolliert, ob die Wunde auch zusammen gewachsen ist.

Die Beschneidung führen Frauen durch, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Diese Frauen erhalten pro Beschneidung umgerechnet zwei Euro. Zwei Euro, die Schmerzen, Qualen und die Verstümmelung eines Mädchens zur Folge haben. Zwei Euro, die das ganze Leben eines Kindes verändern. Doch woher kommt diese brutale Tradition? Zeitlich und geografisch ist die Herkunft dieser Praktik nicht genau zu bestimmen, jedoch wurden in Grabkammern des alten Ägypten die ältesten Erwähnungen gefunden und sogar beschnittene Mumien. Beschneidung galt besonders in den höheren Schichten als Auszeichnung. Im Verlauf der Jahrhunderte hat sich diese grausame Praxis dann auch in den unteren Schichten verbreitet. Für die Afrikaner gilt die Beschneidung und somit die Verstümmelung als Schönheitsbild und wer dies nicht machen lässt, gilt als Prostituierte und wird vom Stamm verstoßen.

Warum zwingen die Eltern ihre eigenen Kinder zu diesem brutalen Ritual? Und  warum führen Frauen diese Beschneidung durch, wenn sie selber wissen, was das für Qualen sind? Viele sprechen von religiösen Hintergründen, obwohl die Eingriffe weder in der Bibel, noch im Koran erwähnt werden. Andere rechtfertigen sich damit, dass es eine gesellschaftliche Pflicht sei. Egal, wie es begründet wird: es handelt sich immer um eine gewaltsame Unterdrückung der Frauen. Der häufigste Grund für die Beschneidung der Frau ist, dass die Männer sicher sein wollen, dass ihre Frau noch Jungfrau ist und somit die Kinder seine eigenen sind. Die Frau soll außerdem nie sexuelles Verlangen haben, ihm daher nie fremd gehen. Was müssen beschnittene Frauen erleiden? Viele Mädchen verbluten nach dem Eingriff oder sterben durch Entzündungen, da die Instrumente nicht sterilisiert werden. Wenn sie das überleben, haben sie es trotzdem nicht überstanden. Anhaltende Schmerzen, chronische Entzündungen und Inkontinenz sind oft die Folgen. Die psychischen Folgen? -unerträglich. Außerdem leiden sie an Schlaf-, Ess- und Konzentrationsstörungen. Es folgen oftmals Depression und Selbstmord. Diese Qualen lassen die Eltern zu! Aber damit nicht genug.

Sexueller Kontakt ist mit großen Schmerzen verbunden, bei manchen Frauen wird die Vagina teilweise vom Ehemann zum Zwecke des Geschlechtsverkehrs aufgeschnitten. Auch zur Geburt werden die jungen Frauen aufgeschnitten und danach auf Drängen der Verwandten und vor allem des Ehemannes wieder zugenäht. Doch obwohl diese Praktiken als Menschenrechtsverletzung eingestuft werden, nehmen sie kein Ende. Mehrere Millionen Mädchen in Afrika und Asien müssen jedes Jahr die Genitalverstümmelung ertragen. Sie leiden danach ein Leben lang. Jährlich sind davon 2 Millionen, das sind etwa 6.000 Frauen sowie Mädchen am Tag, betroffen. Auch in Europa gibt es Fälle der Genitalverstümmelung, da viele Menschen mit Migrationshintergründen dort leben. Jedoch lässt sich dies nicht genau festhalten, da die Ärzte unter Schweigepflicht stehen und dieses grauenvolle Ritual meistens heimlich stattfindet. Weltweit sind über 140 Millionen Frauen und Mädchen Opfer der Genitalverstümmelung geworden. Nach internen Aufzeichnungen des Bundesamts für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge leben in Deutschland 24.000 beschnittene Migrantinnen (Stand: 2002) und etwa 6.000 gefährdete Mädchen.

Allein in Nordrhein-Westfalen leben 5.600 beschnittene Kinder. Sie werden teilweise im Alter von 4-12 Jahren in ihr Heimatland geflogen, damit dort diese Gewaltverbrechen vollzogen werden können. Dafür kann den Eltern in Deutschland das Sorgerecht entzogen werden und sie können bis zu zehn Jahren Haft bekommen. Aber diese Strafen schrecken die Eltern trotzdem nicht davon ab ihre eigenen Kinder derart zu quälen. Das ist das Vermächtnis dieser Mädchen, die nichts auf dieser Welt verkehrt gemacht haben und doch so hart und unerbittlich gequält werden. Wir alle sollten unsere Augen nicht verschließen und denken „Das ist doch weit weg, wieso soll ich mich darum kümmern?“
Jeder sollte sich mit dem Thema einmal auseinander setzen und sich vor Augen führen, was den Mädchen und Frauen dort angetan wird. Sie tragen schwere, lebenslange Folgen davon und davor sollten sie geschützt werden, damit diese brutale Praktik aufhört!

Die Projektarbeit, die uns Frau Barreto vorgestellt hat, braucht Unterstützung.

Besuchen Sie die Homepage der Organisation TABU e.V. unter folgender Adresse www.verein-tabu.de.

V10A

Dorina Nöltge
Kathrin Wypior

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